Am 23. Dezember 2020 wurde die neue Rechtsverordnung für "Geprüfte Bilanzbuchhalter" im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Sofern Sie sich nach diesem Datum zu Ihrer Erstprüfung anmelden, ist diese zwingend nach den neuen Vorschriften durchzuführen. Michael Sommerhoff teilt Ihnen in diesem Beitrag die wesentlichen Änderungen mit.

Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung: "Alter Wein in neuen Schläuchen"

Nach lediglich 5 Jahren hat das BMBF (= Bundesministerium für Bildung und Forschung) die öffentlich-rechtliche und bundeseinheitliche Fortbildungsprüfung der "Geprüften Bilanzbuchhalter IHK" erneut überarbeitet und eine entsprechend novellierte Rechtsverordnung am 18.12.2020 verabschiedet; diese ist mit Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt am 24.12.2020 in Kraft getreten. Gleichzeitig ist die "Vorgängerverordnung" vom 26.10.2015 mit Ablauf des 23.12.2020 außer Kraft getreten.

Soweit die Formalien... Und nun zu der Frage, welche substantiellen Änderungen die neue Verordnung mit sich bringt:

Die Abschlussbezeichnung:

Unter Berücksichtigung der Vorgaben des § 53c (4) Satz 1 BBiG lautet das "Etikett" des Fortbildungsabschlusses nunmehr wie folgt:

Geprüfter Bilanzbuchhalter und Geprüfte Bilanzbuchhalterin – Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung.

Durch die neue Bezeichnung soll die Gleichwertigkeit der Bilanzbuchhalter-Aufstiegsfortbildung mit einem Bachelorstudium betont werden. Allerdings war der Abschluss der Geprüften Bilanzbuchhalter IHK auch zuvor bereits dem DQR-Qualifikationsniveau 6 (von 8) zugeordnet und damit dem (akademischen) Bachelor-Studienabschluss gleich gestellt. Insofern hat sich also nichts geändert.

Als Bildungsdienstleister bzw. Veranstalter von Vorbereitungslehrgängen auf die Bilanzbuchhalter-Prüfung haben wir allerdings festgestellt, dass in den zurückliegenden Jahren der Anteil der Bachelor-Absolventen an der Gesamtteilnehmerzahl auf ca. 60 % und damit deutlich gewachsen ist. Dies zeigt, dass ein Bachelor-Studium offenkundig nicht zu der beruflichen Handlungsfähigkeit führt, die von leitenden Mitarbeitern des Rechnungswesens erwartet wird. Hier bedarf es der zusätzlichen Vermittlung praxisnaher Spezialkenntnisse, die nach wie vor nur die Bilanzbuchhalter-Aufstiegsfortbildung bietet.

Die Zulassungsvoraussetzungen: Bei Abschluss einer Berufsausbildung entfällt der Nachweis von Berufspraxis!

Die zum 01.01.2020 in Kraft getretene Novelle des Berufsbildungsgesetzes (= BBiG) sieht in § 53c (3) Nr. 1 als Voraussetzung für den Zugang zur zweiten beruflichen Fortbildungsstufe "Bachelor Professional" lediglich eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung vor. Damit entfällt die obligatorische Mindestberufspraxis von 3 Jahren, die bislang im Zeitpunkt der Prüfung nachzuweisen war. Diese Vorgabe des BBiG wird im Übrigen in alle bereits überarbeiteten und demnächst noch zu novellierenden Rechtsverordnungen einfließen. Damit entfallen generell die bisherigen Wartezeiten nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss - Aufstiegsfortbildungen zum "Bachelor Professional" können demnach unverzüglich "in Angriff" genommen werden!

Absolventen eines wirtschaftswissenschaftlichen Bachelor-Studienabschlusses müssen im Zeitpunkt ihrer "Bilanzbuchhalterprüfung" über ein Jahr, "Quereinsteiger" ohne Berufsausbildung oder Studienabschluss über fünf Jahre einschlägige Berufspraxis verfügen. Damit ist das BMBF auch diesen "Bilanzbuchhaltern in spe" entgegengekommen, denn nach bisheriger Rechtsverordnung musste für die Zulassung jeweils eine um ein Jahr längere praktische Tätigkeit dokumentiert werden.

Der schriftliche Prüfungsteil:

Inhaltlich haben sich keinerlei Änderungen gegenüber der Vorgängerverordnung aus 2015 ergeben. Die Prüfungsmodalitäten sehen nun aber einen zusätzlichen "Stolperstein" vor: Zum Bestehen des aus 3 je 4-stündigen Situationsaufgaben bestehenden schriftlichen Prüfungsteils genügte es bislang, wenn im arithmetischen Mittel 50 Punkte je Situationsaufgabe erreicht wurden. Nach neuen "Spielregeln" müssen nun aber in jeder der 3 Klausuren 50 Punkte erzielt werden - ist dies bei einer oder mehreren Situationsaufgaben nicht der Fall, müssen alle 3 Klausuren wiederholt werden. Mündliche Ergänzungsprüfungen sind nicht möglich.

Die obligatorische mündliche Prüfung:

Die Zulassung zur mündlichen Prüfung erfolgt nur nach erfolgreichem Abschluss der schriftlichen Prüfung. Sie ist binnen 2 Jahren nach Bekanntgabe des Bestehens der schriftlichen Prüfung durchzuführen. Nach Ablauf dieser Frist sind die 3 schriftlichen Situationsaufgaben erneut abzulegen.

Diese mündliche Pflichtprüfung besteht auch nach neuer VO 2020 aus einer (maximal 15-minütigen) Präsentation und einem sich anschließenden (maximal 30-minütigen) Fachgespräch. Es bleibt dabei, dass "Bilanzbuchhalter in spe" dem Prüfungsausschuss vorab (am Tage der 3. schriftlichen Prüfungsleistung) einen Präsentationsthemenvorschlag einzureichen haben, der dem Handlungsbereich "Abschlüsse aufbereiten und auswerten" entstammen muss. Die Fragen des Fachgesprächs können allen 7 Handlungsbereichen entstammen; die Prüfungsausschüsse haben damit "freie Hand" in puncto Themenwahl. Das erworbene Wissen muss also voll umfänglich bis zum Tage der mündlichen Prüfung, die erfahrungsgemäß 8 – 10 Wochen nach den schriftlichen Klausuren anberaumt wird, "auf Sparflamme weiter geköchelt" werden.

Anpassungsfortbildungsabschluss "Geprüfte Bilanzbuchhalterin / Geprüfter Bilanzbuchhalter International IHK"

Wie die VO 2015 sieht auch die neue VO 2020 (allerdings erst nach bestandener Bilanzbuchhalter-Prüfung) die Möglichkeit einer Zusatzqualifikation (neue Bezeichnung: "Anpassungsfortbildungsabschluss") vor.

Diese Prüfung besteht aus zwei je 4-stündigen (schriftlichen) Situationsaufgaben, in denen u.a. folgende Themen "zur Sprache" kommen können:
1. Bilanzen nach internationalen Standards erstellen;
2. Die verschiedenen Methoden zur Ermittlung des Gesamtergebnisses anwenden;
3. Das Ergebnis je Aktie ermitteln;
4. Die Eigenkapitalveränderungsrechnung aufstellen;
5. Die Kapitalflussrechnung erstellen;
6. Den Anhang erstellen;
7. Den Lagebericht erstellen;
8. Berichtspflichtige Segmente identifizieren und den Segmentbericht erstellen;
9. im Rahmen der Konzernrechnungslegung notwendige Konsolidierungen durchführen und einen Konzernabschluss erstellen;
10. Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen im Außenhandel ermitteln und Finanzierungsarten auf internationalen Märkten auswählen und anwenden;
11. Methoden zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung im Ertragsteuerrecht unter Beachtung des Außensteuerrechts darstellen;
12. umsatzsteuerliche Vorschriften bei grenzüberschreitendem Waren- und Dienstleistungsverkehr beachten.

Eine mündliche Prüfung ist hier nicht vorgesehen!

Wichtig: Ab Frühjahrsprüfung 2021 darf in den "Bilanzbuchhalter-Prüfungen" erstmalig die IHK-Formelsammlung verwendet werden!

Die Formelsammlung können Sie hier bestellen. An den schriftlichen Prüfungstagen wird diese von den mit der Aufsicht betrauten IHK-Mitarbeitern ausgeteilt. Die eventuell zuvor erworbene  Formelsammlung darf nicht mitgebracht werden.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesem Beitrag ein wenig Orientierung sowie Unterstützung bei Ihrer anstehenden Entscheidung vermitteln konnte; im Falle von Fragen sind mein Team und ich gern für Sie da! Rufen Sie uns an unter 0201 220 980 oder schreiben Sie an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. 

Herzlichst, Ihr

Michael Sommerhoff

<<< zurück zur News-Übersicht